Inhalt
Es gibt kein Zurück, wenn der Zug rollt
30.12.2005
Seit etwas mehr als einem Jahr tummelt sich Tom Wegener (28) mit seiner Firma DIATOM it & Servicegesellschaft mbH auf dem freien Markt. An "klassischen Internet-Agenturen" herrscht kein Mangel. Warum also dieser Schritt? Wäre es nicht einfacher, sich im gut gehenden elterlichen Handwerksunternehmen auf die Geschäftsübernahme vorzubereiten?
"Jeder hat mal klein angefangen", entgegnet Wegener. Und wenn man sein Hobby zum Beruf entwickeln könne, warum sollte man das nicht tun? "Allerdings habe ich in der Firma bei meinem Vater bereits die alte Unternehmerschule durchgemacht, mit allem Drum und Dran. Da hat es, wie sollte das anders sein, zwischen Alt und Jung schon mal ordentlich geknirscht." Parallel absolvierte er sein Betriebswirtschaftsstudium und entwickelte ein starkes Interesse an moderner Kommunikation und natürlich am Internet.
"Eigentlich nur als Hobby" entwickelte Tom Wegener den 2004 preisgekrönten Internet-Auftritt der elterlichen Firma. "Das ging 2000 mit ersten holperigen Versuchen los. Dann habe ich immer mehr dazu gelernt hinsichtlich Programmierung, Ausweitung der Nutzungsmöglichkeiten innerhalb der Firma und zwischen Kunden und Firma."
Der Internetpreis wurde dann zum Anlass, den Schritt zur eigenen Firma zu wagen. "Hier habe ich voll Gas gegeben mit Werbeschreiben, persönlicher Akquise und allem, was dazu gehört." Schritt für Schritt entwickelten sich die Geschäfte, formierte sich das Team mit Programmierer, Grafikerin und Lehrling plus aushelfenden Studenten.
Wie geht es weiter? Über Ideen, wie man Neues im nicht mehr ganz so neuen Medium Internet machen könnte, grübelt Tom Wegener ständig. "Man muss auch mal Ungewöhnliches denken, selbst wenn manches anfangs wie die blanke Spinnerei klingt."
Seltsam, dass ausgerechnet eine gar nicht spinnerte Idee ungeahnten Verdruss bereitete: "Ich wollte von Anfang an einen Lehrling haben, um Nachwuchs fürs eigene Geschäft heranzubilden." Doch das kann hierzulande problematisch sein, wie er in aller bürokratischer Ausführlichkeit erlebte. Kurz: Ausbilden geht nicht, weil nicht die richtigen Abschlüsse, zu jung, zu geringe Berufsfahrung, keine Lehrbefähigung - so sagte die IHK.
Eher zufällig bewarb sich ein junger Mann direkt bei Wegener, und mit Unterstützung der privaten SAW Akademie für Marketing und Kommunikation Leipzig klappt es jetzt auch mit dem Lehrling. Der heißt zwar Praktikant, erhält aber ebenso seine Berufsausbildung in Verbindung von theoretischer und berufspraktischer Qualifikation.
War der Weg zur eigenen Firma richtig? Tom Wegener: "Das Schöne am Selbstständigsein ist: man hat hin und wieder Zweifel (die hat wohl jeder Unternehmer), aber die Frage, ob es richtig war, stellt sich für mich nicht. Wir haben angefangen, Geschäftsräume sind eingerichtet, Leute eingestellt, Erfolg stellt sich ein. Der Zug ist in Bewegung, man kann ihn nicht so einfach wieder anhalten." H. Staniok
